Chrischis Website
  Zusammenfassung
 
"

Dresden – eine schöne große Stadt im Herzen des Freistaates Sachsen, eine Stadt mit einer einzigartigen Kultur, eine Stadt zwischen buntem Leben und mystischer Stille – eine Stadt, die zwei Jahre lang mein Leben prägte.

 

Nach dem die Entscheidung im April 2007 fiel, suchte ich mir noch schnell eine tolle Privatschule, bei der ich mein Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung machen konnte und dann noch eine Wohnung in einem Plattenbauviertel.

Mit dem Umzug folgten sogleich erste Partys und Kontakte, die ich knüpfte.

 

Dann ging der Ernst des Lebens los.

 

Meine Wohnung veränderte sich im Laufe der zwei Jahre nur wenig. Ich schlief die ersten sechs Monate auf einer großen, eigentlich gemütlichen Luftmatratze. Dann streikte irgendwann der Rücken und eine ausziehbare Couch folgte. Hinzu kamen weitere Pflanzen und ein paar kleine Accessoires. Letztendlich blieben zwei Kartons unausgepackt .

Das Erstaunliche an dieser Wohnung: trotz der teils sehr kalten Winter, wurde die Heizung nie verwendet. Der Plattenbau samt den Nachbarn sorgte für eine angenehme Temperatur.

 

Langweilig wurde es in der Straße auch nicht. Fast wöchentlich rückten Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräfte heran. In den etwa zehn Eingängen gab es aber eher in den Wohnungen etwas. Eigentlich war alles dabei: Ruhestörung, Beleidigungen, Körperverletzungen und auch ungeklärte Todesfälle. Autoeinbrüche, Überfälle, o.ä. gab es kurioserweise nicht. Am meisten hat mich jedoch der Klavierspieler gestört, der vom Nachbareingang und vier Stockwerke unter mir zu hören war! Naja, es gab auch seeeehr ruhige Tage und Nächte, da dachte man, man wohnt alleine.

 

Das Wetter war sowieso kurios. Ich glaub, ich hab alles erlebt, was man sehen konnte. Da ich bis Mittag die Sonnenseite hatte und weit oben wohnte, war es sowieso recht warm und im Sommer unerträglich. Der eiskalte Winter bzw. Januar 2009 war der schönste Winter meines Lebens. Eisschollen auf der Elbe, dann bei -20 Grad spazieren gegangen und tief verschneite Landschaften. Dresden war wie in einem sanften Schlafkleid. Aber auch die Chaserfahrten zu den Aussichtspunkten, von wo ich sämtliche Unwetter und Gewitterstürme erleben durfte, bleiben mir in Erinnerung. Das krasseste Wetter erlebte ich dabei hautnah mit, als Hagel und Platzregen mich auf einer Fahrradtour überraschten. Mit den Sturmböen war ich sofort komplett durchnässt, obwohl ich unter einer Brücke Schutz suchte. Traumhafte Sonnenuntergänge, Regenbögen und warme Sommernächte rundeten das alles aber wieder ab.

 

Mit dem Auto fuhr ich nicht nur zur Schule oder jagte Stürme, sondern ich erkundete auch die Stadt und die Umgebung selbst. Die Infrastruktur lässt extrem zu wünschen übrig. Im Winter ging es kaum voran, aber im Sommer war das Flair wieder einzigartig, mit offenem Fenster und lauter Musik, singend durch die Gegend zu düsen. Ich entdeckte dabei herrliche Ecken, die wohl manch ein Dresdner selbst nicht kannte. Dem Auto sei an dieser Stelle dank .

 

Im Sommer nutzte ich auch ab und an mein Fahrrad und machte meine Touren durch die Stadt und vor allem an der Elbe entlang. Tagesstrecken fuhr ich keine und ich machte auch oft Pausen, um die Ausblicke auf den Fluss, die Altstadt oder die Parks zu genießen.

 

In der Schule lief es ganz super. Die FOS2-07-Klasse war eine bedeutende und einzigartige Klasse gewesen, die man nicht mehr auf diese Art und Weise ersetzen kann. Zwar verließen uns einige nach dem ersten Jahr, jedoch waren die Solidarität, der Zusammenhalt und die Unterstützung immer eine gemeinschaftliche Aktion. Wir kämpften gegen die Schule und gegen unfaire Mittel, unternahmen freizeitliche Aktivitäten und hatten ein eigenes Forum, welches zu einem bedeutenden Symbol der Klasse wurde. Bis zur Prüfung hielten wir standhaft zusammen, erst danach brachen wir langsam auseinander. Letztendlich spielten die relativ geringe Klassengröße von 12 Schülern, der Altersunterschied von 12 Jahren und die unterschiedlichen Berufs- und Bildungserfahrungen eine große Rolle, um solange gemeinsam durchgehalten zu haben.

Ich selbst hätte nie geglaubt, das Fachabitur so gut meistern zu können. Nach dem ersten Schuljahr entschied ich mich gegen ein Studium danach, sodass meine Leistungen etwas zurückgingen, aber das Ziel habe ich erreicht, nämlich dass ich mein Abitur in der Tasche habe und das mit einer deutlich besseren Leistung, als mit meinem Realschulabschluss.

 

Doch das Abitur kippte fast, als ich im Herbst 2007 erste Anzeichen auf psychische Störungen wahrnahm. Mal abgesehen davon, dass ich bei und nach der Weisheitszahn-OP mehrere Zusammenbrüche hatte, merkte ich langsam, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich begann auf Empfehlung eine Ergotherapie (nein, nix zum basteln!). Der erste richtige Zusammenbruch folgte dann im Dezember, worauf ich sofort begleitend mit der Psychotherapie begann. Trotzdem machte ich mit der Schule weiter.

Gründe gab es viele. Einige reichten 20 Jahre zurück. Das Problem war nur, dass ich sie nicht gleich verstanden habe und somit nicht wusste, was mit mir los war. Die Zusammenbrüche zeigten sich in Krämpfe, Taubheit, plötzliches Heulen, Magen-Darm-Schwierigkeiten, Schweißausbrüchen, Ängsten, Herzrasen, Kreislaufkollapsen usw.

Es war fast unmöglich geworden, in geschlossene Öffentlichkeiten zu gehen (Cafés, Kirchen, Kaufhallen, usw.). Durch beide Therapien lernte ich mich selbst wieder kennen, fand mein Selbstbewusstsein wieder, machte eine tiefe Reise in mein Inneres und begann zu verstehen, wer ich war, wer ich bin und was das alles zu bedeuten hatte. Nach sieben Monaten beendete ich die Therapien und versuchte es alleine weiter, was mir auch gelang.

 

Der erste Test folgte sogleich mit meiner großen Deutschlandtour Ende Juli 2008. Zwei Wochen, 4200 Kilometer, abgeschirmt von der Dresdner Welt und den bestehenden familiären und freundschaftlichen Verhältnissen. Nur zum Übernachten traf ich mich mit neuen Freunden. Einmal übernachtete ich notgedrungen sogar alleine im Auto inmitten der deutschen Wildnis. Aber die Tour stärkte mich und so wurden weitere psychische Rückfälle mit der Zeit seltener und schwächer und ich konnte sie ohne fremde Hilfe mehr und mehr beherrschen.

Eine weitere große Reise war Prag zum Jahreswechsel 2008/2009. Zusammen mit meinem Ex-Freund fuhren wir mit dem Zug dorthin und auch wieder zurück. Ein unvergessenes Erlebnis.

 

Die tollsten Ausflüge erlebte man in der Stadt Dresden selbst. Es ist unglaublich, was die Stadt bieten konnte. Ein Gang durch die Altstadt zwischen all den Touristen, ein Nachtspaziergang durch den Großen Garten, durch malerische Randbezirke oder zwischen den vielen Elbbrücken entlang, ein Konzert- und Kinobesuch Open-Air an der Elbe, das Badevergnügen in den verschiedenen Seen, der Besuch von Museen und Ausstellungen, der Gang durch das Szene-Viertel in der Neustadt usw., sind nur einige Dinge, die man hier nennen kann. Dresden zeigte dabei immer einen anderen Atem, ein anderes Licht, ein anderes Flair, eben völlig andere Gefühle.

Ausflüge ins Umland wie nach Königstein, ins Felsenlabyrinth, nach Tharandt, zu den Tschechen usw. stellten dabei keinen Unterschied dar.

 

In der Stadt lernte ich viele Menschen kennen, sehr viele sogar. Über das Internet, über Partys und über die Freunde der Freunde wurden Kontakte in dreistelliger Höhe geknüpft! Nur ein Bruchteil wurde zu meinen engsten Freunden, aber sie stellten eine besondere Rolle dar. Sie zeigten mir die Freiheiten der Stadt, unterstützten mich in meinen schwierigen Zeiten,

unternahmen mit mir die interessantesten und verrücktesten Dinge und brachten mich immer in gute Laune. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an all diejenigen.

 

Durch die Kontakte weckte ich schnell neue Hobbies und Leidenschaften in mir. So zum Beispiel folgte ich einem Fotoshooting nach dem anderen, welche mir alle riesigen Spaß machten und ich immer offen für neue Ideen wurde. Des Weiteren war ich mehrere Monate im Internetradio und als Partyfotograf tätig. Genauso wie meine Sturmjagden, erfolgten auch die anderen Tätigkeiten rein ehrenamtlich.

 

Welche besonderen Veränderungen machte ich auch noch mit?
Vor allem im ersten Jahr war ich sehr vielfältig und verrückt. Meine Haarfrisuren und –farben wechselten fast monatlich, ebenso mein Klamotten- und Schmuckstil.

Ich begann Bier zu trinken und rauchte erste Zigaretten, wobei ich für letzteres nie einen Cent ausgab und es für mich auch nicht zu einem Dauerzustand wurde. Des Weiteren kaufte ich mir endlich eine verbesserte Digicam, fuhr häufiger mit den öffentlichen Verkehrsmittel (wo ich vorher strikt dagegen war), wurde beinahe Opfer eines Raubüberfalls, ging zum ersten Mal FKK baden ( ), nahm an Gewicht erst ab und bei den Prüfungen wieder deutlich zu und am meisten stolz bin ich darauf, dass mich in den ganzen zwei Jahren kein Blitzer beim Autofahren erwischt hat!

 

Was ich nicht vergessen möchte, ist das Wiedersehen mit einer Klassenkameradin aus der Grundschule, die ich seit 13 Jahren nicht mehr gesehen habe. Der Kontakt zu den vielen alten Klassenkameraden wurde durch das Internet generell wieder zum Leben erweckt.

 

Ansonsten kann ich noch sehr viel erzählen. Die Zeit in Dresden kann man nicht auf drei Seiten beschreiben. Mein Weg hat mich mittlerweile nach Berlin geführt. Ende August 2009 erfolgte das Ende der Ära Dresden. Der Vorhang zum alten Dresdner Leben fiel – die Erinnerungen aber bleiben.

 

In diesem Sinne danke ich noch mal allen Beteiligten dafür und ich weiß ganz genau: Dresden ist immer eine Reise wert!

 

Euer Chrischi
 
  Heute waren schon 1 Besucher (6 Hits) hier! Copyright Christian F.  
 
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=